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LANFORCE V5.–7. September 2003BEA Expo, Bern
LANFORCE V Review by [LF]G-News

Es ist jetzt Montag, der 8.9.2003 18:43 Uhr. Ich habe 14 Stunden ununterbrochen
geschlafen, habe Kopf- und Rückenschmerzen und habe gerade 2 Stunden damit
verbracht, Kritiken in verschiedenen Foren zu lesen.

Jetzt finde ich es an der Zeit, zusammenfassend festzuhalten, was ich zu den vergangenen 5 Tagen zu sagen habe.

Tag 0: Montag abend: Netzwerktest im DL HQ, Server konfigurieren und aufsetzen. Alles funktioniert soweit im Cisco Netz, Foundry ist noch nicht verfügbar. Ich bin skeptisch gegenüber der Port Security, andere sehen darin kein Problem. Gegen 5 Uhr morgens komme ich nach Hause. Erst mal schlafen, danach Zahnarzt um 10:30

Tag 1: Mittwoch abend: Yverman, Hell und ich treffen uns in der leeren Halle um die Markierungen für die Tischreihen auszumessen und anzubringen, damit es morgen keine Probleme gibt beim Aufstellen. Nach knapp 2 Stunden sind alle Markierungen gesetzt und wir ziehen von dannen, um nicht noch den Securitas-Dienst bezahlen zu müssen, der um 17:00 obligatorisch wird. Zuhause konfiguriere ich bis nach Mitternacht 3 der 4 offiziellen LANFORCE FTPs, auf denen Patches und Gamefiles angeboten werden würden. Zudem teste ich den Zeitraffermodus meiner Digitalkamera.

Tag 2: Donnerstag: Tagwacht um 06:00, packen aller Server und Geräte, Abfahrt Richtung BEA bern expo. Um 07:15 treffe ich in der Halle ein, Yves ist schon da, ein paar andere auch, viele sind es noch nicht. Nach dem Aufstellen der Zeitrafferkamera und Mac zur Steuerung derselben, der erste Schocker: Foundry hat anscheinend rund 200 Ports zu wenig geliefert. Das Netzwerkteam wird mobilisiert um die fehlenden 200 Ports zu organisieren. Mit etwas Glück gelingt das auch. Die Leute von Kilchenmann sind auch schon da und installieren das Beamermaterial. Bis Mittag müssten sie fertig sein, sind sie auch. Derweil treffen die Lieferanten mit Tischen und Stühlen ein. Betonung auf "Lieferanten", da es in der Schweiz keinen einzelnen Lieferanten gibt, der die beinahe 550 Tische alleine vermieten kann. Also beziehen wir aus einem Verbund von 4 oder 5 Lieferanten. Bis am Mittag müssen die Tische stehen, feuerpolizeikonform mit Abständen. Mehr und mehr vom Team trudeln um 0800 ein, das Personal von der BEA fährt 4 Stunden Dauerschicht mit dem Gabelstapler. Alles andere von Hand. Ca. 3 Stunden später stehen die Tische an Ort und Stelle. Unser Stromer ist eingetroffen und ein 4 köpfiges Team und er fangen an, die Feinverstromung vorzunehmen. Dh, unter die Tische kriechen, Kabel verlegen, beschriften etc. Danach kommt die Grobverstromung, Verteilerkästen installieren, tonnenschwere Kabel umherschleppen. Derweil arbeitet ein anderes Team eifrig am Verlegen der sehr empfindlichen Glasfaserkabel. Die Switche werden verteilt, verbunden, defekte Kabel ersetzt, obwohl sowieso schon zuviel dafür ausgegeben wurde. Wiederum andere Stellen die Bar auf, kaufen ein. Meine Eltern schmieren Sandwiches. Gegen abend müssen noch die Stühle aus der Halle 320 geräumt werden, damit genug Platz zu schlafen ist. Eine weitere halbe Stunde schweisstreibende Arbeit. Ein weiteres Problem taucht auf. Das Infoblatt, das auf jeden Platz geklebt werden sollte, kann nicht gedruckt werden, das File ist so gross und die Datenbankverknüpfungen zu komplex um es mit einem normalen Drucker drucken zu können. Beim versuch es auf einem Grossdrucker zu drucken, meldet sich die fehlerhafte Software von Microsoft (Word) und verhindert das saubere verlinken zu den Datensätzen. Nächster Versuch also morgen. Die Plätze bleiben unbeschriftet. Ca. um 23:00 geht der Stromer nach Hause, das restliche Team arbeitet weiter, bis es kein Material mehr da hat. Gegen ca 02:00 ist das meiste erledigt. Beim Netzwerk und bei den Servern gibt es noch Probleme mit der Konfiguration, das Team arbeitet die ganze nach durch. Der Rest versucht zu Hause ein paar wertvolle Stunden Schlaf zu erhaschen.

Tag 3: Freitag: Treffpunkt Halle G3 um 11:00 für alle. Für mich heisst das um 9:30, da der Stromer schon um 9:00 mit neuem Material kommt. Ich verkable alleine weiter bis der Rest meines Team wieder eintrifft. Am Mittag heisst es dann definitiv: Das Stromnetz ist parat. Derweil läuft auch das Netzwerk und ein erneuter Versuch, das Infoblatt zu drucken, ist gescheitert. Die Kosten für einen industriellen Druck innerhalb dieser kurzen Zeit vermögen wir nicht. Also umstellen auf Plan B: Malerklebeband und Filzstifte. 2 Teams verbringen den Rest des morgens damit, die Plätze anzuschreiben und die Stromanschlüsse zuzuweisen. Hunderte weitere kleinere Sachen müssen geregelt werden, diese aufzuzählen ist nicht möglich. Schon stehen die ersten Gamer vor den Türen. Offenbar steht auf der Page 2 mal, der Einlass sei um 14:00 und einmal, bereits um 12:00. Wunderbar... Auch der vierte FTP ist noch nicht konfiguriert und es stellt sich heraus, dass das auch nicht mehr möglich ist, ein kompletter Reinstall wäre nötig. Also halt nur 2 FTPs im Load-balance, nur 1 Gigabit und 1 100mbit, beides Macs übrigens. Erst am Samstag funktioniert das Load-balancing so, wie es sollte.
Danach geht es los. Yves öffnet den Check-In und die ersten Gamer beziehen ihre Plätze. Aus diversen Gründen ist das support Team nicht vollzählig und der Supportplan mit den Zuteilungen für das Abnehmen der Viren-Reports geht nicht auf. Improvisation ist gefragt, geht aber soweit gut. Leider stellt sich schnell heraus, dass auf sämtlichen Foundry Switches das Freischalt-tool nicht funktioniert. Zudem funktionieren die Support-Laptops, die uns gestellt wurden, zu 80% nicht und so müssen alle Ports vom Admincom aus aufgeschaltet werden. Schnell sammelt sich eine Liste mit zu bearbeitenden Ports, während die andere Hälfte des Netzwerkteams fieberhaft versucht, dem Problem mit den Foundry Switchen Herr zu werden. Letztendlich bleibt nichts anderes übrig als alle Ports freizuschalten, bzw. die Foundry Switche manuell, per Console-Kabel umzukonfigurieren. Grund für das ganze Chaos ist offenbar ein Missverständnis zwischen den beiden Netzwerkchefen, der eine wusste das es auf Foundry nicht geht, der andere, dass es auf Cisco sehr wohl geht. Leider war nur einer ständig vor Ort. Das ganze Debakel mit den Switches und den Aufschaltproblemen wird noch verstärkt durch den bereits erwähnten Furz mit der Port-Security, da einige User leider nicht im richtigen Port einstöpseln, bzw aufgrund des Nicht-funktionierens der Ports, anfangen wild umzustöpseln, was das Problem nur noch verschlimmert. So sammelt sich am Ende eine Riesenmenge User im Admincom an, alle mit demselben Problem, das nur von3 oder 4 Leuten geregelt werden kann, wovon 2 ständig dabei sind, die Switche unten manuell zu "flicken" und die anderen 2 natürlich hoffnungslos überfordert sind, bzw nichts machen können, da das Problem wie gesagt nur direkt am Switch gelöst werden kann. Die Situation ist mehr oder weniger ausser Kontrolle und ich verfluche den Tag an dem wir feststellen mussten, dass ein Netzwerk mit 2000 Ports in der Schweiz offenbar nicht von einem einzigen Hersteller gestellt werden kann. Mit den Ersatzswitches vom Donnerstag haben wir jetzt entsprechend zwischen 4 und 5 verschiedene Switchsorten im Netz, und jeder verlangt nach einer anderen Behandlung.
Als ob mir das nicht schon reichen würde, steigt aus der Reihe M und N plötzlich Rauch auf, der Strom ist in 3 halben Reihen weg. Pasi und ich eilen zur Stelle um festzustellen, was los ist. Derweil verbraten weitere Geräte. So schnell wie möglich werden die Stromzufuhren unterbrochen. Der Phasenprüfer leuchtet konstant, statt zu blinken. Ich ahne nichts gutes. Ein Telefon mit dem Stromer später, wissen wir was zu tun ist. Noch eines später ist klar, dass wir das Problem nicht beheben können. Der Fehler muss bei der BEA liegen. Also wird der BEA Stromer gerufen, der vom Raclette-Essen innerhalb von 10 Minuten vor Ort ist und relativ schnell feststellt, was wir schon vermutet haben. Bei einer 63 Ampère Leitung war im Stecker der Nullleiter nicht mehr ganz angezogen, durch die starke Belastung konnte offenbar der Kontakt unterbrochen werden, worauf natürlich die Spannung auf der Phase unkontrolliert zu schwanken anfing (gemessen zwischen 80 und 266 Volt). Das wiederum ist eine ziemlich effiziente Methode, ein Netzteil in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Das Problem ist zum Glück rasch behoben und die BEA gibt den Fehler zu unter übernimmt die volle Verantwortung, was ich sehr professionell finde. Yves, die Stromer und ich nehmen Inventar auf, was alles kaputt gegangen ist, damit die geschädigten nach der LANFORCE auch entschädigt werden können. Fast gleichzeitig fliegt einer Reihe weiter vorne ein FI raus, das Problem ist schnell behoben und höchstwahrscheinlich Userverschuldet. Ein Fehlerstrom entsteht schnell einmal. Auch in der F Reihe beklagen sich zwei über Stromausfälle. Bei der Kontrolle der Steckleisten stelle ich schnell fest: Falsche Phase. Wer am falschen Ort einsteckt, ist selber Schuld. Danach funktioniert auch das bestens.
Irgendwann - das Zeitgefühl habe ich mittlerweile verloren - in der A Reihe der FI raus, wahrscheinlich wieder ein Zufall bzw Userfehler (unsauberes Gerät angeschlossen). Das Problem ist in 5 Minuten behoben, trotzdem wird lautstark gemeckert. Der Switch in der A/B/C Reihe gibt im Laufe des Tages einmal den Geist auf. Schnell muss erneut ersatz gefunden werden. Das dauert leider einige Stunden, da wir keine Ersatzswitche mehr vor Ort haben, da wir ja bereits viel zu wenige erhalten hatten. Mit etwas Improvisation geht auch das nach einer Weile wieder. Bleibt noch die K Reihe, bei welcher der Switch auch irgendwie zu spinnen anfängt und den man dann ebenfalls stundenlang zu flicken versucht, letztendlich sogar erfolgreich. Danach klappt eigtl alles ganz gut, ausser natürlich den Turnieren, die durch die enormen Netzwerkprobleme und die Stromausfälle starke Verspätungen aufweisen. Dank den Admins kann aber der Rückstand in fast allen Turnieren gut aufgeholt werden und sogar ds CS Turnier kommt gut voran. Nur beim BF scheint es arg zu hapern, aber ich weiss bei heute nicht wieso.
Mittlerweile ist es wohl Samstag und ich habe ein bisschen mehr als 4 Stunden geschlafen.
Der BEA Stromer hat noch eine schlechte Nachricht für uns: Die Hauptzuleitung, die "Stromschiene", die in die Halle führt, ein 25mm seitenstarkes Kupferbälkchen, hat an den Übergängen so hohe Belastungen und entsprechend hohe Widerstände und dadurch hohe Temperaturen, dass die Gefahr besteht, dass die Sache demnächst zu schmelzen beginnt. Sicherheitshalber werden notfallmässig 2 Zusatzleitungen in die Halle gezogen, offenbar hat bisher nie ein Anlass dermassen viel Strom über dermassen lange Zeit benötigt. Die alte Halle ist im wahrsten Sinne des Wortes "überfordert". Sehr speditiv arbeiten die beiden BEA Stromer an der Leitung und sobald sie bereit sind, werden 6 Teilreihen abgeschaltet und wieder hochgefahren, sobald die 63 Ampère Anschlüsse gewechselt worden sind. Die ganze Aktion dauert so kurz und reibungslos, dass Yves mich fragt, wann wir das ganze jetzt eigtl. machen wollen. Dabei ist es schon passiert. Trotzdem meckern auch da wieder diverse User in ziemlich unflätigem Ton gegenüber mir und den Stromern. Hätten wohl lieber einen Totalausfall von 80% der Halle gehabt, als schnell den PC abschalten und 1 Minute später wieder anschalten.
Die Presse kommt und will Informationen haben, ich kümmere mich darum, so gut es geht. Die meisten Turniere sind im vollen Gang. Irgendwann in der Nacht beklagt sich ein User über starke Schmerzen im Bein. er sei beim Fussball hineingekickt worden. Das Bein sieht nicht gut aus, ist geschwollen und irgendwie krumm. Ich empfehle er solle sich in die Insel fahren lassen. Will er aber nicht, nimmt stattdessen Schmerzmittel. Ich tippe auf gebrochenes Wadenbein. Wenn Du das liest, sag mir doch bitte, was es war.
Es folgen weiter Supportjobs, Druckeraufträge etc. Von Samstag auf Sonntag fällt plötzlich das ganze Netz aus: Hacker-, bzw Cracker-Angriff, ein ARP-Spoofing. Der Täter entwischt rechtzeitig und unerkannt. Das Problem ist zum Glück schnell behoben, sabotiert aber das Finale im Quake Turnier. Wer auch immer das war, sollte sich schämen. Danach gehe ich schlafen, knapp 5 Stunden.
Am Sonntag passiert dann nicht mehr viel bemerkenswertes bis auf den Ausfall eines der beiden Switch Stromkreise, verschuldet durch eine User, der wahrscheinlich unabsichtlich einen, der seriell geschalteten Stecker ausgezogen hat und wieder eingesteckt, worauf durch die Anlassüberlast aller Switches die Sicherung rausfliegt. Wir wollen das Problem mit einer Notleitung lösen, die User fangen aber bereits eigenmächtig an, die Switche ins Gamerstromnetz zu stöpseln, also lösen wir das Problem letztendlich so. Dieser Umweg kostet eine weitere Handvoll Minuten. In Zukunft gilt: Finger weg vom Switch Netz!
Die Turniere werden beendet, bis auf eines, die Preise aufgeteilt und verteilt und die Leute beginnen gegen Mittag ihre Sachen zu packen. Ein Grossteil des Teams muss für die Regelung der An- und Abfahrt abgezogen werden, da nicht alle ganz so spedifiv ein- und ausladen. Irgendwann um die 15:00 sind die meisten User weg und das grosse Aufräumen beginnt mit tatkräftiger Unterstützung der BEA Leute und einiger User (ein ganz grosses Dankeschön an alle freiwilligen Helfer). Tische müssen geputzt, zusammengelegt und verräumt werden, Berge von Müll beseitigt, der Boden gewischt, das Netzwerk abgeräumt, die Stromkabel eingeholt und aufgerollt werden, die Bar abgeräumt etc. In Rekordzeit sind wir um 23:00 fast mit allem fertig und gehen dann um 24:00 nach Hause...endlich ausschlafen..
Damit ist auch das Experiment LANFORCE 5 vorbei und es ist Zeit zu schauen, wofür ein Teil des Teams die letzten 8 Monate an Freizeit und Geld geopfert hat und was man das nächste mal besser machen kann und muss.

[LF]G-News


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